Série: Lebenswinkel
Bei der Arbeit LEBENSWINKEL handelt es sich um ein Gemälde, bei dem die Logik meiner Kompositionen ins Extreme getrieben wurden. Das dramatische Zentrum ist völlig dezentralisiert und findet sich am rechten Bildrande, teilweise sogar ausserhalb wieder. Doch ist der Bildausschnitt deshalb "schlecht gewählt"?
Als vorbereitend für diese mehrteilige Arbeit können die Werkgruppen "Wahrscheinlichkeiten/Probabilités" (20012004) und "Berliner Fenster" (2003-2004) betrachtet werden.
Die "Lumière du passé" behandeln Fragen der Zeit. Es
wurde dazu von Skulpturen der Antike ausgegangen.
Die Arbeit LEBENSWINKEL hat ein Gesamtformat von 146 cm (Höhe) auf 817 cm (Breite) mit acht Aussparungen von je 2 cm. Das Gemälde besteht aus 9 Tafeln im Format 146 x 89 cm, die aneinandergefügt werden. Das Polyptychon Lebenswinkel entstand im Jahre 2004 in Paris und in Basel.
Die einzelnen Elemente des Werkes können nicht als alleinstehende unabhängige, bloss mit den anderen Elementen korrespondierende Bilder betrachtet werden. Man muss sich dieses Polyptychon vielmehr als eine durchgehende Tafel mit Zonen der Leere vorstellen. Diese Fragmente der Leere unterbinden jedoch die formelle und materielle Verbindung zwischen den einzelnen Paneelen in keiner Weise. Im Gemälde LEBENSWINKEL überrascht das Übergreifen von farblich oder textuell ausgeprägten Zonen von einer Paneele auf die andere. Diese Übergriffe stören durch die daraus resultierende Disymmetrie und hinterfragen unsere Gewohnheit der kompositorischen Ausgewogenheit des traditionellen mehrteiligen Gemäldes.
In diesem Werk wird eine bruchstückhafte, mangelhafte, unterbrochene Wahrnehmung inszeniert. LEBENSWINKEL stellt die Frage nach unserer Leistungs- und Reaktionsfähigkeit in Bezug zu den An- oder Überforderungen unserer komplexen Umwelt, bzw. unserer inkompletten, individuellen Wahrnehmung.
Copyright: Tristan Rain, 2002