Serie: Transparenzen-Stelen


Diese Werkgruppe von Fotografien (je 160 x 35 cm) entstand zwischen Frühjahr 2003 und Sommer 2005 und ging aus den Triptychen "Tranzparenzen" hervor. Die Aufnahmen wurden in den Räumen der antiken griechischen Populärplastik im Musée du Louvre in Paris, im Pergamonmuseum in Berlin und im British Museum in London gemacht.

Es handelt sich um eine Arbeit mit fotografiespezifischen Mitteln: Arbeit mit Schärfe und Unschärfe, Pixelstruktur, digitale Bildbearbeitung, Nähe und Distanz des Werkbetrachters, Raumillusion/Auflösung zur Abstraktion. Die Tranzparenzen sind keine Mehrfachbelichtungen, sondern nachträglich eingefärbte und verzerrte Fotografien, die durch dafür installierte oder vor Ort schon vorhandene Gläser und Spiegel entstanden.

Überliefertes (antike Lehmfiguren) trifft auf Zeitgenössisches (Präsentations-vitrinen), sowie auf Interpretationen der Antike (neo-klassizistische Fassaden, barocke Raumdecken). Konfrontationen finden statt: Oberfläche/Raumtiefe, Innenraum/Aussenraum, Geometrie/Anthropomorphie, Raum/Volumen/Körper, tote Materie/lebende Körper der Museumsbesucher und ihrer Spiegelungen. Raum und Körper werden zerteilt und vervielfacht durch Spiegelungen, Durchdringungen, Überlappungen, Durchblicke. Wie wählt das Auge?

Die Museumsexponate haben heute keine vergleichbare Bedeutung wie in der Zeit ihrer Herstellung, sie werden in jeder Epoche umgedeutet, missverstanden, verlieren ihren Gehalt und werden schlimmstenfalls gar zu dekorativen Stücken ohne Ausdruck.

Die menschliche Figur tritt in den Tranzparenzen in Bewegung auf, an spezifischen Standorten, angeschnitten, unvollständig, indirekt, gespiegelt. Die Präsenz der menschlichen Figur im Museum erinnert uns an die Augenblicklichkeit, den Jetzt-Moment der Betrachtung, an die Kürze und die Unwiederbringlichkeit ihrer Präsenz und der Dauer ihrer Betrachtung der historischen Museumsstücke. Der Blick verändert sich. Der Betrachter wird nie mehr gleich sehen wie gerade in diesem Augenblick der Werkbetrachtung. Das Werk verändert sich und seine Wahrnehmung.

In der Werkgruppe Tranzparenzen wird die Frage von Perzeption der Zeit und vom zeitgenössischen, meist oberflächlichen und schnellen Betrachten und Interpretieren im Zeitalter von Werbung und einer schnellkonsumierbaren Flut von Gebrauchsbildern gestellt.

 

 

 

Copyright: Tristan Rain, 2005